Grad wenns mir nicht gut geht, ziehe ich Lieblingsklamotten an. Das macht wahrscheinlich jeder so, oder? Kuschlige, weiche Kleidungsstücke wie meine Lieblingssweatjacke und eine Hose mit vielen aufgesetzten Taschen. Ein langes Tshirt mit ein paar kleinen Löchern drin. “Wegschmeissen”, meint meine Tochter. “Wohlfühlen”, meine ich.
Wenn ein Mann da wäre, würde ich natürlich nicht so rumlaufen, aber das sind einfach meine Lieblingsklamotten, – ein echter Vorteil des Alleinseins, weil niemand meckern kann, dass “Du Dich gehen lässt”. Sieht ja keiner.
NAJA, manchmal geh ich schnell die Katze reinholen oder muss mal in den Keller (und zieh mich nicht um) – und ich glaube die Nachbarn die mich so sehen denken “naja”. Ist mir auch peinlich, aber nicht peinlich genug, sonst würde ichs ja ändern. Eigentlich ist es mir sogar egal.
SO, aber so kanns ja nicht sein, denn wir werden alle immer auch nach unserer Fassade gemessen. “Kleider machen Leute” haben Sie auch schon mal gehört. Manche Menschen tragen immer Sacco, auch einige Frauen meines Frauennetzwerkes kommen zum abendlichen Plaudern im Ernst im Jackett. Das sind die Typen mit einem Machtanspruch denk ich mir, aber das sind auch die, die frech auftreten und gerne andere übergehen. Jedenfalls signalisiert ihr Outfit “Du, nehm Dich in acht – ich kann unangenehm werden, ich komm nicht gemütlich daher”.
Ich hab mal gelesen, dass Kinder deshalb so gerne Monster und komische Figuren mögen, weil sie sich stärker fühlen, wenn sie sich mit mächtigen Figuren identifizieren. Vielleicht ist es eine Überlegung wert sich in Zeiten, in denen man sich nicht gut fühlt, eine weniger gemütliche Aussenwirkung über zu ziehen um auf optischem Weg Respekt zu verlangen.
Es ist eine Überlegung wert die eigene Signalwirkung zu überdenken. Was meinen Sie?